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Wie viele Zahnarztpraxen gab es vor 20 Jahren, und wie viele sind es heute? Für Deutschland lässt sich diese Frage anhand historischer Statistiken inzwischen ziemlich genau beantworten. Die Zahlen zeigen einen langfristigen Rückgang der Zahl der Praxiseinrichtungen. Gleichzeitig arbeiten im Durchschnitt mehr Zahnärzte in einer Einrichtung als früher. Auch für die Region Nürnberg, Fürth und Erlangen gibt es historische Daten zur zahnärztlichen Versorgung. Sie zeichnen allerdings ein weniger vollständiges Bild, weil kommunale Statistiken häufig Zahnärzte statt eigenständiger Praxen erfassen.
Von mehr als 46.000 Einrichtungen auf rund 37.000
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) veröffentlicht im Statistischen Jahrbuch eine Zeitreihe zu den zahnärztlichen Praxisformen. Erfasst werden Einzelpraxen, Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinische Versorgungszentren, die an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmen.
Die Entwicklung ist eindeutig: Ende 2005 gab es bundesweit 46.207 solcher Einrichtungen. 2010 waren es noch 44.924, 2015 insgesamt 43.270 und 2020 noch 40.387. Ende 2024 lag die Zahl bei 37.423.
| Jahr | Praxen und MVZ | Veränderung gegenüber 2005 |
|---|---|---|
| 2005 | 46.207 | – |
| 2010 | 44.924 | −2,8 % |
| 2015 | 43.270 | −6,4 % |
| 2020 | 40.387 | −12,6 % |
| 2024 | 37.423 | −19,0 % |
Innerhalb von 19 Jahren ist die Zahl der erfassten Einrichtungen damit um 8.784 beziehungsweise rund 19 Prozent gesunken. Besonders deutlich wird die Entwicklung in den jüngeren Jahren: Zwischen 2020 und 2024 gingen weitere 2.964 Einrichtungen aus der Statistik hervor. Das entspricht einem Rückgang von etwa 7,3 Prozent innerhalb von vier Jahren.
Die Zahlen stammen aus dem Statistischen Jahrbuch 2025 der KZBV, Tabelle 6.15. Sie bilden die vertragszahnärztlichen Praxisformen ab und sind deshalb aussagekräftiger als einfache Zählungen von Adressen in einem Internetverzeichnis. Sie erfassen allerdings nicht automatisch jede rein privat tätige Zahnarztpraxis.
Quelle: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung – Statistisches Jahrbuch.
Der Rückgang betrifft vor allem Einzelpraxen
Hinter der sinkenden Gesamtzahl verbirgt sich eine deutliche Veränderung der Praxisformen. Im Jahr 2005 waren bundesweit 37.532 Einzelpraxen registriert. Ende 2024 waren es noch 29.850. Das entspricht einem Rückgang von rund 20,5 Prozent.
Auch die Zahl der Berufsausübungsgemeinschaften, in denen mehrere Zahnärzte gemeinsam tätig sind, sank im selben Zeitraum: von 8.675 im Jahr 2005 auf 6.062 im Jahr 2024. Parallel dazu gewannen Medizinische Versorgungszentren an Bedeutung. Während 2010 erst sieben zahnärztliche MVZ in der Statistik auftauchten, waren es Ende 2024 bereits 1.511.
Diese Zahlen zeigen, dass es nicht nur um weniger Praxen geht. Auch die organisatorische Struktur der Versorgung hat sich verändert. MVZ sind inzwischen ein fester Bestandteil des Marktes, während Einzelpraxen weiterhin den größten Anteil ausmachen.
2024 entfielen rund 79,8 Prozent der erfassten Einrichtungen auf Einzelpraxen, 16,2 Prozent auf Berufsausübungsgemeinschaften und 4,0 Prozent auf MVZ. Die klassische Einzelpraxis ist also nach wie vor die häufigste Organisationsform. Ihr Anteil ist über die Jahre jedoch zurückgegangen.
In den verbleibenden Einrichtungen arbeiten mehr Behandler
Eine weitere Kennzahl hilft, den Strukturwandel zu verstehen: die durchschnittliche Zahl der Behandler pro Praxis oder MVZ. 2005 lag sie bei 1,20. Bis 2010 stieg sie auf 1,32, 2015 auf 1,44 und 2024 auf 1,68.
Das bedeutet, dass die Einrichtungen im Durchschnitt größer geworden sind. Eine sinkende Zahl von Standorten führt deshalb nicht automatisch zu einem gleich großen Rückgang der behandelnden Zahnärzte oder der verfügbaren Behandlungskapazität. Wenn mehrere Zahnärzte an einem Standort arbeiten, kann eine größere Praxis mehr Patienten versorgen als eine kleine Einzelpraxis.
Die Entwicklung passt zu einer Branche, in der Nachfolgen, Zusammenschlüsse und Anstellungen eine größere Rolle spielen. Sie zeigt aber nicht, dass jede geschlossene Praxis durch eine größere ersetzt wurde. Dafür wären zusätzliche Daten über Personal, Arbeitszeiten, Behandlungsumfang und regionale Verteilung notwendig.
Die Praxisdichte sinkt ebenfalls
Die Zahl der Einrichtungen allein zeigt noch nicht, wie sich die Versorgung im Verhältnis zur Bevölkerung entwickelt hat. Dafür eignet sich die Praxisdichte, also die Zahl der Praxen und MVZ je 1.000 Einwohner.
Nach dem KZBV-Jahrbuch lag die Praxisdichte in Deutschland im Jahr 2000 bei 0,56 je 1.000 Einwohner. 2005 blieb sie auf diesem Niveau. 2010 betrug sie 0,55, 2015 noch 0,53 und 2020 0,49. Im Jahr 2024 lag sie bei 0,45.
| Jahr | Praxen/MVZ je 1.000 Einwohner |
|---|---|
| 2000 | 0,56 |
| 2005 | 0,56 |
| 2010 | 0,55 |
| 2015 | 0,53 |
| 2020 | 0,49 |
| 2024 | 0,45 |
Die Praxisdichte ist damit zwischen 2000 und 2024 um knapp 20 Prozent gesunken. Der Rückgang der Zahl der Einrichtungen ist also nicht allein auf Veränderungen der Einwohnerzahl zurückzuführen. Auch im Verhältnis zur Bevölkerung stehen rechnerisch weniger Praxisstandorte zur Verfügung.
Diese Kennzahl sagt allerdings nicht unmittelbar aus, ob Patienten tatsächlich schlechter versorgt werden. Dafür spielen auch die Zahl der Behandler je Einrichtung, deren Arbeitszeiten, die regionale Verteilung und die Nachfrage nach Behandlungen eine Rolle.
Was sich aus den Daten für Bayern ableiten lässt
Bayern gehört zu den alten Bundesländern. Für diese Gruppe weist die KZBV eine eigene Zeitreihe aus. Die Zahl der erfassten Praxen und MVZ sank dort von 37.442 im Jahr 2005 auf 31.370 im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang von rund 16,2 Prozent.
Auch in den alten Bundesländern ist die Zahl der Einzelpraxen deutlich zurückgegangen: von 29.801 im Jahr 2005 auf 24.553 im Jahr 2024. Gleichzeitig stieg die Zahl der zahnärztlichen MVZ auf 1.409. Die Entwicklung in Bayern ist damit in einen überregionalen Strukturwandel eingebettet.
Diese Zahlen erlauben jedoch keine direkte Aussage darüber, wie sich die Praxiszahl in Mittelfranken oder in einzelnen Städten entwickelt hat. Landes- und bundesweite Trends können regional unterschiedlich ausfallen. Städte mit Universitäten, einer wachsenden Bevölkerung oder einem großen Einzugsgebiet können andere Entwicklungen aufweisen als ländliche Regionen.
Nürnberg: Historische Zahlen zeigen Veränderungen bei den Zahnärzten
Für Nürnberg gibt es kommunale Statistiken, die über viele Jahre zurückreichen. Das Statistische Jahrbuch 2020 weist für die Jahre 2012 bis 2019 folgende Zahlen für Zahnärzte insgesamt aus: 454 im Jahr 2012, 448 im Jahr 2013, 438 im Jahr 2014, 429 im Jahr 2015, 440 im Jahr 2016, 418 im Jahr 2017, 403 im Jahr 2018 und 390 im Jahr 2019.
Die Zahl ging damit zwischen 2012 und 2019 um 64 beziehungsweise rund 14,1 Prozent zurück. Zwar gab es 2016 einen vorübergehenden Anstieg, der längerfristige Verlauf zeigt jedoch eine sinkende Zahl der in dieser Statistik erfassten Zahnärzte.
Wichtig ist die Einordnung: Diese kommunale Reihe zählt Zahnärzte und nicht eigenständige Praxisstandorte. Sie ist daher nicht direkt mit den bundesweiten Praxiszahlen oder den heutigen 169 Verzeichniseinträgen für Nürnberg vergleichbar. Trotzdem liefert sie einen konkreten historischen Hinweis darauf, dass sich auch die zahnärztliche Versorgung in der Stadt verändert hat.
Quelle: Stadt Nürnberg – Statistische Jahrbücher, Jahrbuch 2020, Tabelle 7.1.
Fürth und Erlangen im heutigen Vergleich
Ein aktueller Suchstand im Verzeichnis Zahnärztewelt weist 169 Zahnarztpraxen in Nürnberg, 79 in Fürth und 92 in Erlangen aus. Zusammen sind das 340 Einträge. Nürnberg stellt damit knapp die Hälfte des erfassten regionalen Bestands. Erlangen liegt bei der Zahl der Einträge vor Fürth. Bedeutet das, es ist schwieriger einen Zahnarzt in Fürth zu finden?
Nicht unbedingt. Die geringere Zahl an Verzeichniseinträgen in Fürth lässt allein keinen Rückschluss darauf zu, wie schwierig die Zahnarztsuche vor Ort tatsächlich ist. Entscheidend ist nicht nur die Anzahl der Praxen, sondern auch, wie viele Zahnärzte neue Patienten aufnehmen, welche Behandlungen angeboten werden und wie gut die Praxen erreichbar sind.
Für Fürth existieren historische Statistiken zu Zahnärzten in freier Praxis. Zwischen 2005 und 2009 schwankten die ausgewiesenen Werte zwischen 91 und 96. Für Erlangen konnten in den hier ausgewerteten Quellen dagegen keine methodisch vergleichbaren historischen Zahlen zur Zahl eigenständiger Praxisstandorte für den gesamten Zeitraum seit 2005 bestätigt werden.
Ein Vergleich der aktuellen Verzeichniseinträge mit den älteren Zahnarztzahlen wäre deshalb nicht seriös. Um die regionale Entwicklung exakt zu beziffern, müssten für Nürnberg, Fürth und Erlangen historische Praxisstandorte rekonstruiert und mit den heutigen Einträgen abgeglichen werden. Die bundesweiten und bayerischen Daten zeigen jedoch, dass ein langfristiger Rückgang der Zahl der Praxiseinrichtungen auch für diese Region ein relevanter Untersuchungsansatz ist.
Weniger Standorte bedeuten nicht automatisch weniger Versorgung
Die historischen Zahlen zeichnen ein klares Bild: Deutschlandweit gibt es weniger zahnärztliche Praxiseinrichtungen als vor 20 Jahren, und die durchschnittliche Zahl der Behandler pro Einrichtung ist gestiegen. Der Markt bewegt sich damit in Richtung größerer Organisationseinheiten, auch wenn Einzelpraxen weiterhin dominieren.
Für Patienten ist entscheidend, wie gut die Versorgung vor Ort erreichbar bleibt. Eine größere Praxis kann längere Öffnungszeiten, mehrere Behandler oder ein breiteres Leistungsspektrum anbieten. Auf der anderen Seite können Schließungen insbesondere dort problematisch werden, wo sich nur wenige Alternativen in erreichbarer Entfernung befinden.
Für Nürnberg, Fürth und Erlangen ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Entwickelt sich die Zahl der Praxisstandorte ähnlich wie im Bundesgebiet, oder hält die Region aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ein anderes Niveau? Die aktuell rund 340 Verzeichniseinträge liefern dafür einen Ausgangspunkt. Eine belastbare Antwort erfordert jedoch historische Zahlen zu den Praxisstandorten selbst.
Die verfügbaren Daten reichen inzwischen weit über die 2000er-Jahre hinaus. Für Deutschland lässt sich der Rückgang der Praxiseinrichtungen bis 2024 konkret beziffern. Für die drei Städte ist die historische Datenlage weniger vollständig, aber keineswegs leer. Eine systematische Auswertung kommunaler Jahrbücher und zahnärztlicher Verzeichnisse könnte die regionale Entwicklung genauer sichtbar machen.

